Mein Weg zur Taubblindenassistentin

Anfangs Januar 2007 habe ich folgendes Kurs-Angebot auf einer Homepage für Hörbehinderte gelesen: Seminar „Taubblindenassistenz" ... und sofort gedacht: „Das könnte perfekt passen; hier besteht die Chance, meinen neuen Weg einzuschlagen, um meine Gabe, anderen Menschen zu helfen, meine Neugier und meine Offenheit für Neues sinnvoll miteinander zu kombinieren.

 

Kurze Vorstellung meiner Person:

Mein Name ist Antje Dieterle, bin 37 Jahre alt und verheiratet, habe einen 10jährigen Sohn und wohne in Wolfach.

Von Geburt an bin ich hochgradig schwerhörig und auf das Lippenlesen angewiesen.

 

Ich habe durch meine liebe Freundin Elke den taubblinden Diakon Peter Hepp aus Rottweil kennengelernt. Als ich mit Elke vor Herr Hepp´s Tür stand, zitterten meine Knie vor lauter Angst, wie wohl eine Kommunikation mit einem Menschen klappen soll, der nichts hören und nichts sehen kann.

Wir saßen dann im Büro an einem Tisch und ich schaute erstmal zu, wie Elke und Peter sich unterhielten. Dabei sah ich, dass es nicht so schwer ist.

Jetzt hatte ich auch den Mut, mit Peter zu gebärden. Er legte seine Hände auf meine und fühlte so, wie ich gebärdete und es klappte auf Anhieb. Ich war voll glücklich und konnte es einfach nicht fassen.

Noch einige Tage verfolgte mich dieses Erlebnis und so entstand dann die Idee, ich könnte mich im Bereich Taubblindheit/Hörsehbehinderung engagieren. In welcher Form, das ließ ich noch offen.

Deshalb habe ich mich erstmal für das Seminar entschlossen, um meine Theorie und Praxis zu erweitern.

 

Das Seminar fand an 4 Wochenenden statt und wurde im November 2007 mit einer Prüfung abgeschlossen.Es war in 4 Module eingeteilt, verschiedene Kommunikationsformen, Assistenz und Dolmetschen. Durch die Praktikas konnte ich Erfahrungen mit unterschiedlichsten Taubblinden/Hörsehbehinderten sammeln und musste feststellen, dass jede/r individuelle Assistenz braucht, je nach Hör-/Sehbehinderung. Geduld und Disziplin sind zwei Begriffe, die sehr wichtig sind, um mit Taubblinden/Hörsehbehinderten zu arbeiten.

Bei der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn hospitierte ich einige Tage in verschiedenen Bereichen. In der Werkstatt für Behinderte blieb meine Neugier und mein Interesse hängen, so dass ich nachfragte, ob und wie ich mich ehrenamtlich einbringen kann.

Im Januar 2008 habe ich meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Werkstatt für behinderte Menschen begonnen. Ich biete 3 AbM-Kurse an. In einem Kurs bieten wir das „Alltägliche Erleben mit der Taubblindheit" an. Verschiedene Aktivitäten stehen an, wie z.B. Museumsbesuche, Einkäufe, Wanderungen, Gymnastik usw. Es ist hierbei eine 1:1-Betreuung gewährleistet und es wird von den Taubblinden dankend angenommen.

Auch am Wochenende werde ich von einigen Taubblinden gefragt, ob ich für sie die Assistenz übernehmen kann. Meistens nehme ich mir diese Zeit, da es mir viel Freude macht, mit taubblinden/hörsehbehinderten Menschen zu arbeiten. Mit meiner Arbeit kann ich Taubblinden/Hörsehbehinderten wesentlich zu besserer Lebensqualität beitragen. Von ihnen habe ich gelernt, das Leben und die Freude mit anderen Augen zu sehen. Sie sind die größte „Sparkasse". Das, was ich an Zuwendung und Liebe geben kann, bekomme ich doppelt und dreifach an Freude, Glück und Liebe zurück.


Lormen mit einem taubblinden Mann
Lormen mit einem taubblinden Mann

Seit 1.September bin ich in Teilzeit im Sozialdienst in der Werkstatt in Heiligenbronn beschäftigt. Dort unterstütze ich mit PC-Arbeit meine Kollegin im Sozialdienst.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich meine Lebensaufgabe gefunden habe. Es macht so viel Spaß, so dass ich es auch ohne Geld tun würde.

 

Mit einem Zitat von Hermann Hesse möchte ich diesen Bericht abschließen:

 

Sinn des Lebens

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben, aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.

 

Antje Dieterle, Gartenweg 7, 77709 Wolfach

email: antjedieterle@aol.com


letzte Änderung - 17 February 2012